Jeder Euro hilft!

Übersetzung des Artikels “A Plea for HELP!”

Englische Vollversion mit Bildern, Links und Dokumenten hier

Es fällt mir sehr schwer das hier zu schreiben…
Das ist kein normaler Blog Eintrag, das ist ein Hilferuf.
Und nach Hilfe zu fragen war schon immer eines der schwierigsten Dinge für mich.

„Sei nicht so stolz, das ist deine einzige Möglichkeit!!“

sagen meine Freunde.

Und jetzt sitze ich hier… Ich schreibe, lösche, schreibe noch mal neu, lösche, formuliere es um…

Wo soll ich nur anfangen?
Vielleicht sollte ich Euch erst mal erzählen, was eigentlich passiert ist…

Ich war auf dem Rückweg von Java nach Bali und versuchte so viele Kilometer wie möglich pro Tag runter zu reißen um pünktlich zur 25 jährigen Geburtstagsparty des Motorrad Clubs “HMT” von meinen Freunden, auf Bali sein.

Die Route, die ich von Jogjakarta zum Hafen von Java wählte war nicht die Beste; im Norden Java’s ist es unglaublich heiss, über 40 °C und die Strassen sind gesäumt von unzähligen Tagebauten, die alles in ihren Staub vernebeln und dich kaum atmen lassen. Dazu ein Haufen LKWs und nicht wirklich viel Sehenswertes… Die Hitze und der Staub haben mich echt gefordert und ich begann mich unwohl zu fühlen, schwitzte stärker als normal und hatte unglaubliche Kopfschmerzen. Ich musste mehr Pausen machen als geplant, trank eine Menge Wasser und Kokosnusswasser zur Elektrolyt-Zufuhr. Wahrscheinlich machte ich an dem Punkt einen entscheidenen Fehler und nahm Schmerzmittel… etwas, was ich sonst nie tue. Es betäubte die Wahrnehmung dessen, was mein Körper mir mitteilen wollte und ich ignorierte was eigentlich los war. Irgendwann erreichte ich einen Punkt an dem es nicht mehr ging und eine muslimische Familie in deren Restaurant ich mich zu stärken versuchte, bat mir an mich in deren Gebetsraum auszuruhen und dort auch übernachten zu können. Es war erst 15Uhr und ich hatte noch lange nicht mein Tagesziel erreicht, aber ich entschied, umringt von riesigen Mekka-Postern, mich zur Ruhe zu legen…

Wie auch immer, ich schaffte es rechtzeitig nach Bali und postete meinem letzten Beitrag (vor der Funkstille) auf Instagramm und Facebook; ein kleines Video von der Fähre, mit meinem staubigen, verschwitzen Gesicht aber stolzen Lächeln (da hatte ich schon Fieber, was ich aber immer noch ignorierte).

Ich erreichte Bali etwa gegen 22Uhr nach einer ziemlich turbulenten Fährfahrt und wusste, dass ich mich erst mal in Hafennähe ausruhen musste. Aber wie Ihr Euch vorstellen könnt, sind Hafenstädte in Indonesien nicht gerade der sicherste Platz für eine weiße Frau die allein reist. Drogen. LKW-Fahrer. Prostition. Und wer weiss was noch alles… Deshalb fuhr ich weiter entlang der Nordküste um eine passendere Unterkunft zu finden. Ca. 50 Kilometer und 1,5 Stunden später konnte ich endlich meine müden Knochen in ein großes, weiches Bett sinken lassen. Mein Körper kochte, mir war übel, ich musste mich übergeben, hatte eine starke Migräne und konnte mich kaum noch auf den Beinen halten.

Nach zwei Nächten mit Schüttelfrost und Schwitzen in der Unterkunft in Bali’s Norden wusste ich, dass ich irgendwie nach Denpasar kommen musste. Nicht weil ich in Betracht zog in ein Krankenhaus zu gehen, sondern weil ich rechtzeitig zur Bike Show da sein wollte…

Ich hatte Glück, dass meine Freundin Ali mich begleitete, aber ich wusste nicht, ob ich in der Lage war den ganzen Trip durchzuhalten. Während der Fahrt fühlte ich mich wie in einer Blase, es fiel mir schwer mich auf die kurvigen Straßen durch die Bergen zu konzentrieren… Das Motorrad rutschte mir auf dem Schotter weg, gerade als wir ranfahren wollten um eine Pause zu machen. Ich hatte es fast wieder unter Kontrolle, war aber zu schwach und erschöpft um es zu halten und es krachte zu Boden.

Zwei Tage spatter, stellte sich heraus dass der Hitzeschlag, den ich dachte zu haben in Wahrheit Dengue Fieber war. Eine Tropenkrankheit die durch Mücken übertragen wird. Man kann dem nicht vorbeugen, es gibt keine Impfungen und es gibt keine Medizin zur Behandlung. Dengue kann zum Tod führen. Aber es gibt auch viele Menschen hier die daran erkranken und sich wieder komplett davon erholen.

Wie auch immer, durch meinen bereits exestierenden gesundheitlichen Umstaende (die ich zwar in Beiträgen erwähnte, aber nie ins Detail ging) und mein dadurch sehr viel schwächeres Immunsystem traf es mich härter, als es wahrscheinlich andere „normale“ Menschen getroffen hätte. Nachdem meine Freunde meinen Zustand zwei Tage lang beobachtet hatten, drängten sich mich dazu ins Krankenhaus zu gehen, wogegen ich mich immer noch weigerte. Aber ab einem gewissen Punkt war dieser Schritt unumgänglich… Also verbrachte ich meine Zeit in der Notaufnahme anstatt mit meinen Freunden zusammen am Strand auf dem Motorbike-Festival zu sein. Das war der eigentliche Grund für mich zurück nach Bali zu kommen und ich bin dafür echt an meine “Motorradfahr-Limits” gegangen um es zu ermöglichen hier zu sein. Es war nun um so härter zu akzeptieren, dass ich auf Bali bin aber trotzdem nicht dabei sein kann.

Nachdem die Diagnose zuerst in einem indonesischen Krankenhaus gestellt wurde, wurde mir empfohlen, auf Grund der Versicherungsdeckung, mich in einem Internationalen Krankenhaus aufnehmen zu lassen.

In der folgenden Nacht fand ich mich auf der Intensivstation zwischen panischen Ärzten und Krankenschwestern wieder… Ich hatte das Dengue-Schock-Syndrom, bei dem der Blutdruck soweit absinkt, dass lebenswichtige Organe nicht mehr mit Blut versorgt werden können.
Ja, ich habe in dieser Nacht schon die Engelein singen hören…

Bevor ich in auf die Intensivstation verlegt wurde, schaffte ich es noch eine Sprachnachricht für Freunde vor Ort und meine Eltern zu hinterlassen, woran ich mich kaum noch erinnern kann.

Ich wachte mit einem Brief von meinen indonesischen Motorrad Kumpels auf, die in dieser Nacht im Krankenhaus waren, aber nicht zu mir gelassen wurden: „Du musst überleben! Wir lieben Dich!“ Meine Freundin Ali, mit der ich noch vor ein paar Tagen noch im Sattel saß, warf sich am nächsten Morgen weinend auf mein Bett, aus Angst aber auch aus Erleichterung, dass ich es durch diese Nacht geschafft hatte…
In den folgenden Tagen wurden noch Typhus, Amöbenruhr, eine „Fraueninfektion“ aufgrund meines schwachen Immunsystems und eine Bronchitis, die sich vielleicht noch zu einer Lungenentzündung ausweiten könnte, diagnostiziert. Alle diese Sachen zusammen bildeten eine gefährliche Kombination und meine alten „Gesundheitsprobleme“ begannen auch wieder etwas verrückt zu spielen.
Sie haben drei verschiedene Arten Antibiotika in mich reingepumpt, ein Haufen Schmerzmittel und eine Menge anderer chemischer Sch***. Mein Körper fühlt sich an wie radioaktiv, zerstört von all den Medikamenten und total aus dem natürlichen Gleichgewicht geraten.

Ich bin so erschöpft und habe keine Kraft mehr.

Über zwei Wochen 40 °C Fieber NON STOP, unglaubliche Kopfschmerzen NON STOP, Rücken- und Gliederschmerzen NON STOP und Durchfall NON STOP! Die Schmerzen waren unerträglich!
Das Gute in der Situation war, dass mein Papa und meine beste Freundin Jenny aus Deutschland vorbei kamen!! Nachdem ich die Sprachnachricht hinterlassen hatte als die Lage so kritisch wurde, machten sie einen Notfallplan und standen nur 2 Tage später in meinem Krankenhauszimmer! Ich dachte ich halluziniere wegen der der ganzen Medikamente und der hohen Temperatur, aber NEIN! Sie waren echt!!! Jenny und Papa waren wirklich hier!!! Und als ich das realisierte, konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen. Es war insgeheim mein größter Wunsch meine Familie um mich zu haben, aber ich hätte mich niemals gewagt das auszusprechen! Meine Gebete wurden erhört und ich wusste, dass dies die beste Medizin sein wird, die es gibt (neben viel Schlaf und einer positiven Einstellung). Es war die größte und schönste Überraschung und ich fühlte mich sofort sovile stärker gegen all das anzukämpfen was grad geschah.

Sie kamen um mich nach Hause zu holen, aber ich schaffte es in der Woche, in der Papa und Jenny hier waren, leider nicht mal aus meinem Krankenhausbett. Der Arzt musste ihnen mitteilen, dass es auch noch ein paar Wochen der Erholung bedarf, bevor ich wieder transportfähig für ein Flugzeug sein würde. Also mussten sie ohne mich zurück und es war so hart sie zu verabschieden, während ich immer noch in diesem blöden Bett bleiben musste. Ich wusste ja nicht mal wie lange es noch dauerte bis ich das Krankenhaus verlassen durfte. Obwohl sie nicht gekommen waren um Urlaub zu machen, hätte ich mir so sehr gewünscht, dass ich ihnen ein bisschen was von meinem geliebten Bali hätte zeigen können…

Nun kämpfte ich wieder allein.

Nur 24 Stunden nachdem meine Geliebten losgefahren waren, bekam ich eine niederschmetternde Nachricht, die auch der Grund für meinen Hilferuf ist:

Meine Auslandskrankenversicherung schickte am zweiten Tag meines Krankenhausaufenthaltes den Versicherungsschein auf dem bestätigt wurde, dass sie alle meine Kosten übernehmen würden. Und zogen genau diesen Brief 13 Tage später zurück, was bedeutet, dass ich auf einer $6.000 (knapp 5.000 Euro) Krankhausrechnung sitzen bleibe! Sie brauchten 13 Tage (!!!) um festzustellen, dass es einen Teil in der Police gibt, der sagt, dass ich nicht weiter versichert bin, weil ich mich schon zu lange im Ausland aufhalte. Ja, es ist mehr als ärgerlich, dass ich mir über diesen Teil der Police nicht im Klaren war. Aber es wäre in ihrer Verantwortung gewesen, mir das am ersten Tag meines Krankenhausaufenthaltes mitzuteilen anstatt mir eine Deckungszusage zu senden, die mir versicherte, dass alle meine Kosten übernommen werden. Sie riefen sogar mich und meine Eltern mehrmals an und waren super freundlich und wünschten mir eine schnelle Genesung. Auch rein Rücktransport inklusive eines Arztes haben sie mir zugesagt. Ganze 2 Wochen später war das alles nicht mehr wahr!!! Hätte ich das gewusst, hätte ich mich dazu entschieden in einem örtlichen Krankenhaus behandelt zu werden, wo die Kosten bezahlbar genug gewesen wären um sie bar zu begleichen.

Mir war klar, dass ich von nun an alle folgenden Kosten auf jeden Fall selbst tragen muss und sprach deshalb mit meinem behandelnden Arzt über eine vorzeitige Entlassung. Er stellte meine gesamte Medikation von intravenös auf oral um und entließ mich aus dem Krankenhaus. Nachdem die Medikation, der Papierkram und alles weitere geklärt waren, kam ein Freund vorbei um mich abzuholen, jedoch wollten die mich nicht gehen lassen. Sie hielten mich im Krankenhaus gefangen mit der Aussage, dass sie mich nicht gehen lassen würden, bevor nicht der ganze Betrag bezahlt wäre. Mir folgten zwei Sicherheitsleute, egal, was ich tat; sie griffen nach meinem Arm als ich einfach nur in das Auto meines Freundes nach einer Flasche Wasser angelte… Während ich wie eine Kriminelle behandelt wurde, saß ich auf meinem Bett, heulte mir die Augen aus und kotzte mir die Seele aus dem Leib. Ich wusste, dass es keine schnelle Lösung gab, diesen riesigen Betrag bezahlen zu können. Weder ich noch meine Familie haben so viele Ersparnisse. Wie lange würden sie mich festhalten und was würde mich das extra kosten? Verfolgt von Securityleuten und Krankenschwestern ging ich noch einmal in das Verwaltungsbüro und brachte sie dazu mir einen Brief zu schreiben, in dem stand, dass sie mich gegen meinen Willen festhalten und ich von nun an keine Kosten für die Unterbringung zahlen werde. Sie wollten, dass ich diesen Brief unter dem Word „Zugestimmt“ unterschreibe. Ich weigerte mich das zu tun!

Nach 48 Stunden Horror, Unsicherheit, vielen Tränen und unglaublichen Druck auch auf meine Familie auf der anderen Seite der Welt, kam ein Kumpel der die Information nicht einfach so hin nahm um mich zu retten! Nach einem Streit mit der Verwaltung und dem Management des Siloam Krankenhauses willigten sie ein, dass er sein indonesisches Arbeitsvisum mit einer Bürgschaft hinterlassen könne, in dem er garantierte, dass er die Rechnung bezahlen würde, wenn ich es nicht mache. Was für ein riesiger Vertrauensbeweis!!!

Ich war frei!

 

Ich habe keine Ahnung, wie ich die riesige Rechnung über $6000 bezahlen soll.

Nach vielen schlaflosen Nächten in denen ich versuchte über Lösungen nachzudenken, Telefonaten mit der Versicherung, Aufsuchen von Anwälten (was nur mehr Kosten produziert) und Gesprächen mit Freunden, in denen ich um Rat bat, war die einzige Idee, die ich hatte die, einen Spendenaufruf zu starten. Ich versuchte diese Idee über Tage zu verdrängen, weil es zu beschämend finde meine Leser und Freunde um finanzielle Hilfe zu bitten… Aber mir wurde bewusst, dass wenn auch nur die Hälfte meiner “Followers” einen einzigen Dollar geben könnte, wäre es möglich meine Krankenhausrechnung in voller Höhe zu bezahlen. Diese Sichtweise gab mir neue Hoffnung.

Uff!!

Lasst Euch gesagt sein, dass es ein riesiger Schritt für mich ist, Euch um Eure Unterstützung zu bitten… Aber ich hoffe, dass meine wundervolle Social Media Community bestehend aus Bikern, Träumern, Abenteurern, positiv Denkenden, Lebens-Bejahenden und funkelnden Seelen, vielleicht ein wenig Güte und Magie auf mein PayPal Konto streuen könnte:

 

Ich kann meine Dankbarkeit für Eure Hilfe gar nicht in Worte fassen. Ich wünschte, ich könnte jedem einzelnen von Euch eine dicke Umarmung geben!! Alles was ich Euch zurück geben kann sind ein paar wundervolle Geschichten von meiner Reise durch Lombok, Bali und Java, ein bisschen von der Magie Indonesiens und etwas von der Weisheit und den Einsichten, die ich durch meine Zeit mit den einfachsten Menschen erlangt habe und was mich die Einsamkeit der Strasse gelehrt hat.

Ich habe noch 15 meiner The Moto Quest Leder-Aufnäher und ein paar Aufkleber übrig, welche ich in tiefster Dankbarkeit an die großzügigsten Spender versenden werde.

7 thoughts on “Jeder Euro hilft!

  1. Hallo Aileen,
    das ist ja eine krasse Geschichte. Wünsche dir gute Besserung und hoffe meine kleine Spende hilft dir weiter.
    Herzliche Bikergrüße aus Deutschland
    Frauke

  2. Als erstes Gute Besserung. Bin gestern über Custombike auf dein Problem aufmerksam geworden.
    Gib doch mal ein Update über den Stand der Hilfe. Wenn es knapp wird, gebe ich gern nochmal was dazu.
    Schön zu sehen, dass die Mopedgemeinschaft sich gegenseitig aus dem Durchfall zieht.

    Grüße, Tilo

  3. Hallo Aileen,
    Ich drück dich ganz doll. Hab ganz schön mit den Tränen gekämpft und hoffe ganz doll, dass es dir besser und besser geht.
    Klar spende ich auch was.
    Ich hoffe es wird alles wieder gut.
    Ganz liebe Grüße
    Manuela

  4. Liebe Ailleen. Du hast viele Freunde. Alles ist gut. 🙂 Wichtig ist, dass Du gesund wirst! Alles Liebe Simone & Mario
    PS. Hoffe, dass unsere kleine Spende hilft.

  5. Krasse Sache, ich wünsch dir Gute Besserung und hoffe du erholt dich gut. Ich hatte mal sowas Ähnliches in Kambodscha, nur nicht ganz so extrem im Verlauf. Ob es ebenfalls Dengue war – keine Ahnung, ich war damals nicht beim Arzt, hatte aber auch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und war die bessee Zeit der Fieberphase im Delirium. Dein Fall zeigt aber auch mal wieder was so eine Krankenversicherung wert ist – nämlich nur soviel, als dass sie einen beruhigt während man hofft, dass nichts passiert. Das ist IMHO effektiv ein schlechtes Verhältnis, denn das ist ja das Key-Feature einer KV (bzw. sollte es sein) – dass man sich im Ernstfall keine Sorgen machen muss.

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